Lebenswald. 100 Bäume des Lebens.

An der Serie der 100 Lebensbäume arbeitete ich von 24.05.2011 - 19.07.2012.

 

Von den 100 Lebensbäumen zeige ich hier 25. Die Stamm- und Wurzelstruktur ergibt sich aus der Verbindung der Natur des Baumes mit der menschlichen Wirbelsäule. Die Bilder sind durchgehend nummeriert und datiert. Die täglichen Arbeitszeiten sind dokumentiert. Sie zeigen das Vergehen der Zeit als Lebenszeit und Werkzeit und bedeuten zugleich das Wachstum der Bäume.

Gedanken zu den Lebensbäumen und Essenz finden Sie im Anschluss an die Bildergalerie auf dieser Seite.



Format: 41,9 x 59,3cm

Stift: Pilot G-Tec C4, 0.4mm

Lebenswald. 100 Bäume des Lebens


Die Bäume scheinen zu schweben, als wären ihre Wurzeln nicht vom Erdreich umfasst. Ihr Urgrund liegt tiefer, außerhalb des Bildes in Quellen, die dem Betrachter entzogen sind. Sie nähren den Baum. Das Geflecht der Haupt- und Seitenwurzeln, ihre Knotenpunkte und Vernetzungen stabilisieren das Gerüst für die Dehnung nach oben.

 

Der Baum weiß um das Gesetz des Wachstums. Dieses entspringt aus der dem Blick entzogenen Quelle. Die Aufrichtung zum Licht gelingt umso einfachter, je fülliger das verankerte Wurzelwerk den Stamm und die Krone trägt. Anhand der Bäume erkennen wir: wie oben, so unten. Die Krone entspricht den Wurzeln. Die Krone mit ihren hunderttausenden Blättern zeigt dem in der Natur Spazierenden Alter, Gesundheit und Kraft des Baumes.

Das Gesicht der Bäume ist unterschiedlich: erdig und schwer, hoch und schlank, bewegt und unbewegt. Die Baumkronen zeigen typische und ungesehene Ausbildungen. Wir betrachten die Baumkrone als "Ergebnis" des Heranwachsens und reflektieren dabei kaum, dass es der im Boden versteckten Verwurzelung bedarf.

 

Das Nacheinander (zuerst die Wurzeln, dann die Pflanze) ist auch Bild für die Erschaffung des Neuen in der Welt: zuerst sind die Idee, das Wissen, der Traum da, aus denen eine neue Realität erwächst. Auch materialisiert sich zuerst das Kleine (der erste Handgriff, das erste Lernen zur Umsetzung einer Absicht), aus dem die Weitläufigkeit des neuen Geschehens oder Objektes erwächst, welches dann unabhängig für sich selbst steht.

 

Leben ist wachsen. Die Ereignisse, die jedem Menschen im Laufe seines Lebens widerfahren, werden zu Grundsteinen der Wesensbildung. Jene Situationen können sowohl mit den sich überschneidenden Wurzeln als auch mit den außerhalb des Bildes liegenden Quellen (angeeignetes Wissen, Unterstützung von außen) gleichgesetzt werden.

Der Baum wurde anthropomorphisiert um "Rückgrat" zu zeigen und dem Rezipienten die ihm/ihr innewohnende Natur aufzuzeigen.

Der Baum ist für mich also ein Abbild des eigenen Werdens und der Entwicklung. In den Umraum eines neuen Besitzers gestellt, soll er in dessen Leben die Gesetze des Wachstums und die Aufforderung, nach Verwirklichung zu streben, verankern.

 

Ausstellung

Die 100 Arbeiten des Lebenswaldes werden in der Reihenfolge ihrer Entstehung gezeigt. Die Bilder sind durchgehend nummeriert und datiert. Sie werden in dieser Reihenfolge präsentiert, um das Vergehen der Zeit (meiner Zeit) einzufangen. Bilder, die im Zeitraum der Ausstellung verkauft werden, werden abgehängt. An ihrer Stelle wird jeweils ein Same an der Wand angebracht.

Arbeitsprozess

Über 90% der Arbeitszeit liegt in den Wurzeln. Sie sind die Basis. Die Baumkrone, das Ergebnis des Wachstums, ist Zeichen der - normalerweise unter der Erde verborgenen - vorangegangenen Entwicklung. Die den Bildern geschenkte Arbeitszeit ist der Same, der, in den Energiefluss gestellt, aufgeht und zum Bild wird.

Die täglichen Arbeitszeiten wurden dokumentiert. Das Vergehen der Zeit und die ihr innewohnende Dynamik wird so veranschaulicht.

Die Baumserie bietet damit auch Einblick in meine Lebenszeit.

 

Formgebung

Die verzweigten Wurzeln lassen an zarte Knöchelchen denken, wie man sie im Röntgen der menschlichen Fingerglieder sehen kann, aber auch an sich windende Segmente menschlicher Wirbel, die schlangenartig ineinandergreifen.

Meine Formgebung und Ästhetik wurden von Hansruedi Giger und Tim Burton beeinflusst.

Ich begann, mich mit dem menschlichen Skelett zu beschäftigen. Meine Aufmerksamkeit lenkte sich vor allem auf die Wirbelsäule und darauf, wie Giger als auch Burton die menschliche Form verfremdeten.

Der Schwanz von Gigers Alien ist ein aus Knochen bestehender Fortsatz der Wirbelsäule, den ich umzugestalten begann.

Mir ist nicht klar, wann ich diese Form mit der von Burtons "Ringelsocken-Monstern" kombinierte.

Der Knochenfortsatz, der bei Giger zu gefährlich wirkenden Spitzen ausgeformt ist, reduzierte sich bei mir nach und nach, doch die unterschiedlichen Ebenen von Knochen und Knorpel blieben bestehen. (Burton nutzt Schraffur und Farbe; seine Farbsegmente bleiben jedoch stets auf eine Ebene beschränkt.)

Etwa zur gleichen Zeit, als ich in meinen Skizzen begann, die Wirbelsäule zu neuen Formen umzuwandeln, beschäftigte ich mich auch mit DaVincis Flugapparaten, vor allem mit seiner Art, Flügel zu skizzieren. Darin, wie er Holzstäbe miteinander verband, erkannte ich in den Gelenken von Spinnenbeinen und denen anderer Insekten wieder.

Studiert habe ich auch Gliedertiere wie den Zimmermannsbock mit seinen sechs zierlichen, gegliederten Beinchen, den beweglichen Körper der Wollhandkrabbe und die Köcherfliege, auch die Steuerschwänze der Libelle oder der Eintagsfliege.

Die erste Variation meiner Bäume fand ich in einer DinA4 Zeichnung wieder, die ich im Juni 2011 gemacht hatte. Die Formgebung war damals sehr weiblich, mit Schnörkeln.

In meiner Serie des Lebenswaldes fand ich zu einer neutraleren Form, die in ihrer stilisierten Formgebung zwischen Wirbelsäule und Gelenk steht.

 

Materialien

Jedes Bild (Papier: Hahnemühle) hat das Format 41,9 x 59,3cm. Für die Umsetzung des Hand-Werks wurden Stifte der Marke Pilot G-Tec C4, 0,4mm verwendet.




Ihr Weg zu mir

Da mein Leben großteils mit Papier am Schreibtisch, am Boden oder an der Wand stattfindet, freue ich mich vor allem über analoge Kontaktaufnahme. Sie werden sehen, es gibt nichts Erfreulicheres, als endlich wieder einmal einen Brief von Hand zu schreiben. Oder Sie rufen mich an. Ach, Sie haben Ihr Telefon bereits in der Hand? 

 

Seeing as my life mainly centers on paper on desks, the floor or the walls available, I am most greatful for being contacted the oldfashioned way - be honest, when was the last time you actually wrote a letter by hand? Give it a try. You might enjoy it. Calling me would be another option - I say! You are holding your mobile this instant?

Mag. Maret Amtmann

Burggasse 17

A-8010 Graz

Tel: +43 699 8130 4949